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Data Storytellung, das etwas andere Big Data

11.06.2017

Bei einem Gespräch kam die Rede darauf, welcher Anbieter die jeweils aktuellste Routenplanung hätte. Eindeutige Antwort: Google. Eindeutige Begründung: Die haben die meisten Handys draußen und können aus deren Bewegungsdaten die Verkehrsdichte voraussagen.

Völlig selbstverständlich wird akzeptiert, dass das Smartphone ständig Daten sendet. Und die Datenweitergabe wird nicht nur akzeptiert, sondern aktiv betrieben, z.B. in sozialen Netzwerken.

Aber Data Storytelling geht darüber hinaus. Wussten Sie, dass Ihr Handy mehr als 20 Sensoren besitzt, die ständig senden und ständig ganz viel über Sie erzählen? Ein kontinuierlicher Datenstrom beschreibt Ihr Leben bis hin zu den intimsten Momenten, denn auch dann liegt das Handy nicht weit weg und der Fitnesstracker bleibt am Handgelenk.

Mehr als 20 Sensoren, was senden die? Jörg Blumtritt unterscheidet verschiedene Kategorien. Ein mikroelektronisches System (MEMS), der Kreiselkompass (Gyroskop) misst Drehungen auf 3 Achsen. Daraus lässt sich die Anzahl der Schritte ableiten. Beschleunigungsdaten liefern Hinweise darauf, in welchem Verkehrsmittel man sich bewegt. Das Magnetoskop – häufig in Apps als Kompass genutzt – baut ein 3-dimensionales Magnetfeld auf. Die Diebstahlsicherungen in Geschäften verändern dieses Magnetfeld, so dass man ablesen kann, wann der Träger den Laden betreten oder verlassen hat.

Funksender oder -empfänger senden Daten über alle WLAN-Bereiche samt Kennung, die das Handy passiert. Daraus lassen sich Ortsbestimmungen ableiten, die durch GPS-Empfänger präzisiert werden.

Systeminterne Sensoren liefern ebenfalls interessante Daten: Die Handybatterie verfügt über ein Thermometer, das auch die Umgebungstemperatur misst. Das Volumen der gesendeten und empfangenen Daten oder die Speicherausnutzung lassen Rückschlüsse auf die Art der Handynutzung zu. Welche Daten Kamera und Mikrofon liefern, versteht sich von selbst. Welche App sie aber gerade nutzt, entzieht sich der Kenntnis des Nutzers.

 

Das Smartphone ist aber nicht nur Sender, es wird auch immer mehr zur Steuerung eingesetzt. Stichworte sind: Smart Home, Smart Textile, Wearable Technologie, Smart City. Und alles, was gesteuert wird, liefert wieder Daten. Daten über das Umfeld des Smartphones, was das Gesamtbild abrundet.

So, jetzt kann man natürlich schreien, dass wir gläsern werden, dass wir ausspioniert werden zum Nutzen der Googles, Apples oder Amazones dieser Erde. Über das Lamentieren wird vergessen, auch über die möglichen Vorteile zu diskutieren. Von der Lenkung von Verkehrsströmen über das bequeme Abmelden von Autos bis hin zur personalisierten Medizin – um nur einige Dinge zu nennen.

Niemand kommt auf die Idee, Küchenmesser zu verbieten, weil sich Menschen schon damit geschnitten haben, aber Big Data wird häufig in Bausch und Bogen verdammt. Dabei käme es vielmehr darauf an, ein Datenschutzrecht zu schaffen, das nicht nur vordergründig die Erhebung von personenbezogenen Daten regelt, wie das bisher der Fall ist. Sondern regelt, wie mit Datenströmen umgegangen werden darf, die a priori vermeintlich ohne Personenbezug erhoben werden, durch komplexe Algorithmen aber Personen fast eindeutig identifizieren. Um diesen Bereich drückt sich der Gesetzgeber bisher.

Big Data ist nicht nur Marketing, Big Data ist auch Segen – und wenn nicht gegengesteuert wird, auch Fluch.

Inspiriert zu dem Video hat mich Jörg Blumtritt mit seinem Artikel: Mobile Data – was Smartphones über unser Leben erzählen, in transfer Werbeforschung & Praxis, 62(2/2016), S. 26-30.

 

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