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Die Revolution an der Tanke: Tankstellenshops

09.03.2017

Man spricht über die Großbetriebsformen des Einzelhandels, über den innerstädtischen Handel, um Malls und Flachmänner am Stadtrand. Aber über die kleinen Shops z.B. an Tankstellen wird selten gesprochen, dabei findet hier eine kleine Revolution statt.

Aber fangen wir bei den Zahlen an: Es gibt ca. 15.000 Tankstellen in Deutschland; die Top 3 sind Aral, Shell und Total. In den Tankstellen-Shops werden lt. Nielsen ca. 9 Mill. € umgesetzt, pro Shop und Jahr umgesetzt, also ca. 1 Mio. €, Tendenz steigend. Ca 60% des Einkommens der Tankstelle wird mit dem Shop erwirtschaftet – zumindest bei Aral.

Tanken ja, aber keineswegs nur. Und kaufen auch ohne Tanken. Nachbarschaftsladenersatz und Verköstigung für unterwegs. Das Brötchen und die Zeitung am Morgen, Snacks für am Mittag, Getränke nach dem üblichen Ladenschluss oder auch mal ein Mitbringsel – daraus resultiert die Daseinsberechtigung von Tankstellen-Shops.

Bis 2016 war hier eher heile Welt. Tankstellenbetreiber zwischen Hobby-Bäcker, Selfmade-Einzelhändler und Spritverkäufer. Keineswegs immer professionell, was bedeutet, dass Umsatzchancen ungenutzt blieben.

Dass so etwas Schatzsucher auf den Plan ruft, versteht sich. Denn hier liegen ungenutzte Potenziale, die sich durch modernes Einzelhandelsmarketing heben lassen. Angefangen von der nachfragerorientierten Shop-Gestaltung, der Warenanordnung, dem Sortiment, des Convenience- und Food-Angebots und natürlich der Schulung des Personals und des Managements bis hin zu jahreszeitlichen und wetterbedingten Sortimentsvariationen.

Aus dem handgestrickten Tankstellenanhängsel mit Hotdogs und Fleischwurstbrötchen wird ein moderner Shop mit Salaten oder Hähnchensteaks. Gesunde Ernährung von Fleisch bis vegan. Ca. 1200 Artikel des täglichen Convenience-Bedarfs – etwa genauso viel wie ein Discounter -.

 

Wettbewerbsfähige Preise, Preisaktionen, Rabattaktionen, Sonderangebote oder Zusatzangebote wie Postschalter, Packstation, Reinigungsannahme oder Geldautomat machen den Shop auch für Nicht-Autofahrer attraktiv. An vielen Standorten kann man sich auch Nachbarschaftsfunktionen vorfinden, wie z.B. Nachbarschaftsrabatte oder Schwarze Bretter mit entsprechend Nachrichten aus der Umgebung, vom Babysitter bis zum Suchen & Finden.

Getrieben wird die Revolution von zwei großen Playern. Der ursprüngliche Platzhirsch Lekkerland musste sich gefallen lassen, dass REWE to Go mit ARAL einen Riesendeal gemacht hat und bis 1.000 Aral eigene Tankstellen mit dem Komplettpaket „REWE to Go“ ausstatten wird. Lekkerland musste und hat reagiert mit dem Konzept „Frischwerk“, das als Gegenentwurf zum Rewe-Paket zu interpretieren ist.

Beide Konzepte sind in meinen Augen nicht alleinstellend. Deshalb ist es umso verwunderlicher, dass man die jeweiligen Konzepte nicht durch entsprechende Kommunikation unique und zur Marke macht.

Der Nachfrager findet nicht statt. Weder Lekkerland noch Rewe kümmern sich um eine Kommunikation mit den Kunden. Weder online noch offline. Vor allem Lekkerland müsste hier aufholen, denn Rewe to Go hat ja schon Markencharakter.

Wie überall gilt auch hier: Eine Marketingstrategie ohne Kommunikationsstrategie kann leicht ins Auge gehen.

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