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Klickköder und ähnliche Ärgernisse

22.03.2017

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bekomme pro Tag ca. 100 Spam-Mails. Ich kann nur in aller Deutlichkeit sagen: Zum Kotzen!

Nach meinem Eindruck hat sich die Zusammensetzung der Spams geändert. Waren bisher die Spams in der Überzahl, die nach Virus, Wurm oder dgl. aussahen, sind jetzt die Verkaufsangebote von Fenster über Heizungen bis hin zu einschlägigen Medikamenten auf dem Vormarsch. Und besonders in sind die Angebote: „reich durch Nichtstun“ versprechen.

Der Hintergrund ist klar. Reichweite! Reichweite und nochmals Reichweite für inhaltsgetriebene Botschaften der verschiedensten Marken. Damit Contentmarketing sein Publikum erreicht, werden Empfehlungsmails versendet. Wobei „Empfehlungsmails“ ja nicht anderes ist als die euphemistische Umschreibung vom Spam Mail. Klickköder ist eine viel treffendere Bezeichnung. Wir sollen darauf klicken, damit Firmen wie Plisa, Taboola oder Outbrain reich werden – durch Nichtstun, denn sie werden für Reichweite bezahlt.

Und es wird für uns Internet- und Mailnutzer noch schlimmer kommen, denn die heute ca. 3,8 Mrd. Euro für Contentmarketing im Netz im deutschsprachigem Raum pro Jahr sollen in den nächsten drei Jahren um ein weiteres Viertel wachsen (lt. Content Marketing Forum (CMF)). Geht das so weiter, werde ich in drei Jahren nicht 100, sondern 125 dieser sog. Empfehlungsmails pro Tag erhalten und löschen bzw. in den Spamordner schieben müssen.

Eigentlich ein untragbarer Zustand. Auf Kosten meiner Zeit (zum Bereinigen des Maileingangs) bereichern sich dubiose Mediafirmen mit Gesetzesverstößen, denn die deutsche Gesetzgebung untersagt das Versenden von Spams an Adressaten, mit denen man nicht in Geschäftskontakt steht oder. die nicht dem Empfang zugestimmt haben. Stört die aber nicht. Die bauen darauf, dass es viel zu viel Aufwand macht, jede einzelne Spam abmahnen zu lassen. Ich mache es auch nicht mehr, weil die schiere Flut einen ja erschlägt.

Leider sehe ich keine Besserung. Adblocker helfen nicht. Die von manchen geforderte NEUE DIGITALKULTUR kann man knicken, denn konzertierte Beschränkungsaktionen wird es nicht geben, so lange mit Spams Geld zu verdienen ist. Nur Traumtänzer glauben an so etwas.

Der Gesetzgeber hat kaum eine Handhabe, um einzuschreiten. Wie sollte eine praktikable Definition und generelle Kontrolle aussehen? Ich kann mir keine Lösung vorstellen.

Die größten Chancen räume ich noch den Software-Herstellern ein. Intelligente Filter, die mir das Zeug vom Halse halten, wird es allerdings erst dann geben, wenn sich damit richtig Umsatz machen lässt, wenn also unser User-Frust so groß ist, dass wir bereit sind, für die Frustvermeidung richtig Geld zu zahlen.

Und schon wieder sind wir die Gelackmeierten, wir User zahlen immer, damit andere reich werden – durch Nichtstun – s.o.

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